Unterhalt für die Familie

Durch die Zahlung von Unterhalt an unterhaltsberechtigte Familienmitglieder nach einer Scheidung soll dauerhaft die Existenzsicherung aller Betroffenen garantiert werden. So bildet auch nach der Trennung das Solidaritätsprinzip die rechtlichen Voraussetzungen für materielle Absicherung. Festgelegte Beträge – in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle zusammen gefasst – sind die Basis zur Errechnung der untereinander zu leistenden Unterhaltszahlungen. So sind sich die beiden geschiedenen Personen, je nach Einkommensverhältnissen, untereinander, sowie gegenüber ihren Kindern, unterhaltspflichtig. Ein festgelegter Selbstbehalt, also ein Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen auf jeden Fall zur eigenen Existenzsicherung bleibt, darf allerdings nicht angetastet werden.

Dabei ist die gesellschaftliche Situation in Deutschland auch heute noch recht festgelegt, was die Verteilung von Gütern und Verantwortung zwischen den geschiedenen Personen angeht. Materiell und beruflich fokussieren die Erwartungen auch im 21. Jahrhundert noch verstärkt den männlichen Part, während Familienverantwortung, Kindererziehung und praktische Versorgungsleistungen weiterhin die Frau in den Vordergrund ziehen. Zwar ist die Gruppe der alleinerziehenden Väter heute eine deutlich wachsende Gesellschaftsgruppe und es gibt eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Vätern, die sich für ihre Kinder stark machen und mitunter schwere Kämpfe austragen, um an der Erziehung und der Betreuung der Kinder aktiv teilhaben zu können. Trotzdem bleibt die Zahl der Väter, die in einer unterhaltsberechtigten Abhängigkeitssituation als Folge einer Ehescheidung zurück bleiben, verhältnismäßig unbedeutend.

Die Gründe dafür sind vor allem im Selbstverständnis von Müttern und Vätern gegenüber ihren Kindern, zugleich aber auch in der gesellschaftlichen Haltung allgemein zu suchen. Wir betrachten es als normal, dass im Falle einer Scheidung die Kinder bei der Mutter verbleiben. Wer wäre in der Lage, eine Mutter, die sich von ihrer Familie trennt und die Verantwortung für die Betreuung der gemeinsamen Kinder dem Vater übergibt, exakt genauso zu werten, wie in der umgekehrten Variante, in der die Mutter mit den Kindern „zurück bleibt“? Hier greift, wie so oft, der Begriff der „Rabenmutter“, der in männlicher Form in unserer Sprache nicht einmal existiert! Selbstverständlich muss in einer Scheidungssituation die Lebensgrundlage und die emotionale Befindlichkeit der Kinder sehr genau im Auge behalten werden, doch in der Regel sind beide Elternteile für die Kinder wichtige Bezugspersonen und der Verlust einer dieser Personen ist unvermeidbar.

Es ist an der Zeit, Klischees aufzubrechen und sich der zur Verfügung stehenden Voraussetzungen zu bedienen, um die Scheidungsväter sehr viel stärker in die Verantwortung mit einzubeziehen. Die rechtliche Basis dazu gibt sowohl der Mutter als auch dem Vater grundsätzlich dieselben Rechte. Wir müssen daher die Frauen stärken und die Emotionalität aus den Unterhaltsentscheidungen herausnehmen, damit faire Startbedingungen und ausgeglichene Chancen für alle Familienmitglieder möglich werden.

Comments are closed.